Reisebericht 2013

von Berthold Wolff 

 

AJD-Reisegruppe 2013 in die Dominikanischen Republik

Ziel dieser fünften Kontaktreise war in erster Linie wieder, den persönlichen Kontakt unter den Mitgliedern des AJD in Deutschland und der Dominikanischen Republik zu initiieren und zu pflegen.

Die Reisegruppe bestand aus zwölf Teilnehmern, von denen sechs zum erstenmal mit dem AJD in das Land reisten. Sie kommen aus Brühl, Köln, Düsseldorf und Porz und gehören zu den Freunden und Förderern des AJD e.V..

Weitere Inhalte der Reise waren die Produktion eines neuen Dokumentarfilms, Kontaktgespräche mit Funktionsträgern der Ausbildungsstätten und der Kirche, Besuche bei den Familien unserer Mitglieder, unsere Kenntnisse über das Leben und die Strukturen des Landes erweitern und die Entwicklung des Projektes AJD reflektieren sowie Zukunftswege gestalten.

Im Weiteren sollen einige zentrale Eindrücke der Reise vorgestellt werden:

 

1. Besuche in den Familien

Besuch bei einer FamilieIm Verlauf der Reise sind wir von insgesamt sechzehn Mitgliedern bei ihnen zuhause eingeladen worden. Es handelt sich dabei um Kurzbesuche, bei denen wir die Familie vorgestellt bekommen, die Mitglieder von ihren Erfahrungen mit dem AJD berichten und wir konkrete Fragen stellen konnten. Wir durften eine große und herzliche Gastfreundschaft erleben. Die Familien zeigten durchweg ihre Dankbarkeit und wir bekamen –auch unausgesprochen- einen Einblick in die oft einfachsten Lebensumständen im Land. Eine Freude war es auch, die Offenheit der Gastgeber uns gegenüber zu erleben. Es zeigte sich sehr schnell, dass der AJD wie eine große Familie ist, die ihre Verbundenheit durch Vertrauen, offene Türen, gegenseitige Unterstützung etc. zum Ausdruck bringt.

 

2. Gespräche mit Vertretern von Einrichtungen und der Kirche

Selbstverständlich standen auf unserem Programm die Besuche der beiden Universitäten UCATECI in La Vega und UCNE in San Francisco de Marcoris. In La Vega empfing uns der neue Direktor Pbro. Castillo. Obwohl er in der Kürze seiner Amtszeit (seit September 2012) den AJD noch nicht kannte, zeigte er sich unserem Gespräch sehr offen und interessiert. Wir konnten die Neubauten der Universität bestaunen und erfuhren, dass es eine neue Einrichtung gibt für Absolventen der Uni: eine Stelle, die sich um die Berufseingliederung sorgt. Im Besonderen geht es um die Möglichkeiten sich selbstständig zu machen, wozu fachmännische Hilfestellung u.a. zur Eingrenzung des Risikos angeboten wird. Castillo wurde auch für den Film interviewt und äußerte innovative Ansichten über die Zukunft des Landes in Bezug auf Beschäftigung und Ausbildung. Wir vereinbarten einen schriftlichen Austausch per Email und überreichten uns gegenseitig Geschenke.

Bei Bischof Fausto Ramón Mejía Vallejo
Bei Bischof Antonio Camilo González in La Vega

 

Die Leitung der Nordestana hat nach wie vor Padre Alfredo (Freddy), der den AJD mitgegründet hat. Mit ihm besuchten wir ein Landwirtschaftsprojekt in den Bergen, das die Uni in Kooperation mit Kleinbauern und der Behörde durchführt. Bei Kakaopflazendem Rundgang wurde uns die Unterstützung im Kakaoanbau und die Gestaltung eines Urwaldes vorgestellt. Die Universität hat auch neue Gebäude; so konnten wir einen großen Veranstaltungssaal und das neue Verwaltungsgebäude besichtigen.

Während unserer Reise folgten wir auch der Einladung des Bischofs von La Vega, des Vorstandes des Priesterseminars in Santo Domingo und führten ein kurzes Gespräch mit Bischof Fausto, dem ehemaligen Direktor der UCATECI. Die Verbindung zum Priesterseminar bleibt deshalb schon lebendig, weil unser Padre Francisco (Cualo) die Leitung innehat. Wir konnten vom AJD berichten, mit den Priesteramtskandidaten diskutieren und die Mitglieder des AJD im Seminar begrüßen.


 

3. Der neue Film über den AJD

Nach dem großen Erfolg mit dem Film aus der letzten Reise, der das Projekt des AJD mit vielen O-Tönen und schönen Bildern dokumentiert, wollten wir auch auf dieser Reise die Gelegenheit nutzen, ein Fortsetzung zu drehen. Diesmal ging es uns um zwei Beispiele, die wir detailliert vorstellen wollten. Carola, eine junge Studentin, die sich beim AJD beworben hat, Medizin studiert und mit ihrer großen Familie (Eltern und Geschwister) in bescheidenen Verhältnissen wohnt. Demgegenüber Fior, die schon vor gut 15 Jahren mit Hilfe des AJD ihr Jurastudium abgeschlossen hat und durch verschiedene Tätigkeiten bei Forschungsprojekten oder in einer Kanzlei nun sozial und finanziell abgesichert ist. Sie bewohnt mit ihrer Familie ein großzügiges Haus und unterstützt weiterhin den AJD auf vielfältige Weise. Der Film soll fokussieren auf den Sinn des AJD-Projektes: den jungen Menschen durch eine Ausbildung die Möglichkeit zu eröffnen, der Zukunft mit der eigenen Familie eine entscheidend bessere Grundlage zu geben. Marcel wird das Rohmaterial der Aufnahmen im Laufe des Jahres wieder bearbeiten und zu einem Film zusammenstellen.

 

Filmarbeiten
Filmarbeiten zum neuen AJD-Film

4. Akzente des AJD

Die Entwicklung des AJD in der Dominikanischen Republik schreitet weiter voran.

  • Wir konnten einige junge AspirantenInnen kennenlernen. Es melden sich Interessierte, weil sie vom AJD gehört haben,  oder man weiß von Bedürftigen aus dem Bekanntenkreis der AJDler.
  • Das Bemühen deutsch zu lernen zeigt erste Erfolge: Mariela konnte schon alles verstehen und übersetzen, andere versuchten mit sprachlichen Fragmenten sich zu verständigen, in den nächsten Monaten wird Isabel für weitere Interessierte einen Deutschkurs anbieten.
  • Mit Digna gibt es wieder jemanden im Vorstand, der die Kommunikation nach Deutschland aufrecht erhält. Auf einer Reflexion wurde betont, dass Ergebnisprotokolle der Monatstreffen ausreichend sind.
  • Angeregt wurde, dass der Vorstand des AJD nur alle zwei Jahre neu gewählt wird, damit eine Kontinuität gewährleistet ist. Zudem wäre eine Aufgabenbeschreibung für die Vorstandsmitglieder sinnvoll für eine Übergabe.
  • Mit Dionil haben wir wieder einen Interessenten für ein Praktikum in Deutschland. Geplant ist ein Aufenthalt im Sommer 2014 und ein Praktikum im Straßenbau.
  • Ein Augenmerk soll in Zukunft auf die Mitglieder gelegt werden, die nach der Ausbildung noch keinen entsprechenden Beruf ergreifen konnten.

 

5. Land und Leute

Auf dieser Reise haben wir sehr viel Kontakt mit der Natur genießen können. Ausflüge an den Stausee bei Cotui, in die Berge bei Jarabacoa, an die Wasserfälle bei Bonao und in das schon erwähnte Naturprojekt in St. Francisco de Macoris zeigten uns die Vielfältigkeit des Landes. Bei den Besuchen der Familien bekamen wir die Früchte des Landes auf phantasievolle Weise vorgestellt. Zu Beginn und am Ende der Reise konnten wir uns am Strand im Norden des Landes eingewöhnen bzw. das Erlebte ausklingen lassen.

Unser BusIn den vielen Gesprächen und Beobachtungen ist uns deutlich geworden, was die Menschen zur Zeit im Land beschäftigt. Die politische Lage scheint momentan beruhigt zu sein. Man spricht offiziell von nur 14 % Arbeitslosigkeit, dabei sind aber nur max. 20% der Menschen überhaupt in einem festen Beschäftigungsverhältnis. Die Schere zwischen arm und reich geht auch hier deutlich auseinander, dabei sind hier vor allem junge Menschen betroffen, da sie den Hauptteil der Bevölkerung ausmachen. Viele sehen keine Entwicklungsperspektive und suchen ihr Heil am Rand der Städte, in der Kriminalität oder im Drogenkonsum.

Die Familienstrukturen sind oftmals sehr unübersichtlich, die jungen Menschen erleben meist eine patchworkartige Situation auf engstem Lebensraum. Der große Zusammenhalt innerhalb der Familie ist oft wie ein Anker und wenigsten einer sollte für die finanzielle Versorgung einem Beruf nachgehen. So haben wir es vermehrt erlebt, dass für die jungen Leute gerade die Versorgung der Großfamilie die Hauptmotivation für die Ausbildung ist. Erst danach ist die eigene soziale Entwicklung im Blick und die Perspektive für grundsätzliche Veränderung der Lebensumstände.